Montag, 2. November 2026
Plus Auf dem Weg zu Bekannten 30.10.2026 · 06:00

„Verfahrene“ Situation: 89-Jährige war im falschen Dörfles gelandet

Dörfles, die Katastralgemeinde von Weikendorf, war definitiv die falsche Adresse – das stellte sich rasch heraus. Foto: NÖN

Die 89-jährige Helga Keil-Bastendorff wollte einer Urnenbeisetzung beiwohnen. Statt nach Dörfles bei Ernstbrunn fuhr sie jedoch irrtümlich nach Dörfles bei Weikendorf. Dieter Demel lotste die Pensionistin schließlich zur 45 Kilometer entfernten richtigen Adresse.

Dass man sich mit dem Auto verfährt, kann schon vorkommen. Dass einem aber ein Fremder 45 Minuten lang mit seinem Wagen durch drei Bezirke lotst, bis man endlich den richtigen Ort gefunden hat, ist doch einigermaßen ungewöhnlich – passiert am Samstag, 26. September, dieses Jahres im Weinviertel.

Die Wienerin Helga Keil-Bastendorff war an besagtem Tag mit ihrem Auto unterwegs. „Ohne Handy und im Kriegszustand mit meinem Navi“, wie sie gegenüber der NÖN eingestand. Das Ziel hieß Dörfles. Dort wollte die Pensionistin um 16 Uhr der privaten Urnenbeisetzung einer guten Bekannten beiwohnen. Die 89-Jährige war auch rechtzeitig da. Nur sollte sich bald herausstellen, dass es sich bei der im Bezirk Gänserndorf gelegenen Weikendorfer Katastralgemeinde um das falsche Dörfles handelte.

Helga Keil-Bastendorff kann ihrem Retter aus dem Bezirk Gänserndorf nicht genug danken. Foto: privat

„Ich ging gerade mit dem Hund spazieren“, erinnert sich Dieter Demel im NÖN-Gespräch: „Da sah ich diese Frau und kam mit ihr ins Gespräch. Sie suchte eine bestimmte Hausnummer und sagte mir den Namen der Bewohner.“ Von dieser Familie hatte Demel, er ist übrigens Obmann-Stellvertreter des Tennisclubs Weikendorf, aber noch nie gehört.

Keil-Bastendorff: „Hätte die Strecke niemals finden können“

Man beschloss, die Bekannten der Pensionistin anzurufen – Demel borgte Keil-Bastendorff sein Handy. So wurde schnell klar, dass die 89-Jährige im falschen Dörfles gelandet war. Das richtige wäre nämlich jenes im Bezirk Korneuburg gewesen, eine Katastralgemeinde von Ernstbrunn. Entfernung zwischen den beiden Orten: etwa 45 Kilometer, dazwischen liegt noch ein Teil des Bezirks Mistelbach.

„Die Strecke dorthin scheint eine Einheimischen-Geheimstrecke zu sein, die ich niemals, nach noch so guten Erklärungen, hätte finden können“, ist sich die Wienerin sicher. Das dürfte auch Demel befürchtet haben. Deshalb bot er Keil-Bastendorff an, sie zum korrekten Ort zu lotsen. Er fuhr mit seinem Wagen vor, die Pensionistin folgte ihm mit ihrem Pkw.

Dieter Demel aus dem Weikendorfer Dörfles lotste die Pensionistin zur richtigen Adresse – 45 Kilometer weit nach Dörfles bei Ernstbrunn. Foto: privat

45 Minuten später stand die 89-Jährige vor dem richtigen Haus und konnte an der Urnenbeisetzung teilnehmen. Ihrem Retter in der Not streut sie Rosen: „Sie haben an die zwei Stunden Ihres kostbaren Wochenendes und fast 100 Kilometer mit Ihrem eigenen Auto für mich geopfert. Ein großes, großes Danke für dieses Geschenk! Ich glaube, Sie sind ein Ausnahme-Mensch. Möge Ihnen das Schicksal diese Eigenschaft in jeder Hinsicht mit Gutem vergelten.“

Und warum nahm Demel die Strapazen auf sich? „Weil ich gerade Zeit hatte und der Dame einfach helfen wollte ...“