Montag, 2. November 2026
Plus Wolf Science Center 31.10.2026 · 06:00

Nach Wolfsattacke in Deutschland: Das sagen die Ernstbrunner Experten

Das Wolf Science Center bietet direkte Begegnungen mit den Wölfen ohne Zaun an. Im Bild ein Besuch der NÖ-Grünen in Ernstbrunn. Foto: Löwenstein

Nach dem Wolfsangriff auf ein achtjähriges Mädchen in einem deutschen Wildpark rücken auch Angebote mit direktem Tierkontakt in den Fokus. Das Wolf Science Center in Ernstbrunn betont jedoch, dass seine intensiv sozialisierten Wölfe nicht mit Tieren in klassischen Wildparks vergleichbar seien und verweist auf strenge Sicherheitsmaßnahmen.

Im deutschen Wildpark Johannismühle in Brandenburg ereignete sich am 28. Oktober ein schwerer Vorfall: Im Rahmen eines Tierpflegertages, ein Event, das Kindern den Beruf näherbringen soll, attackierte ein Wolf ein achtjähriges Mädchen, das dabei schwer verletzt wurde. Eine Tierpflegerin soll Schlimmeres verhindert haben. Das Kind wurde mit dem Hubschrauber in eine Klinik gebracht, der Wildpark bleibt vorerst geschlossen.

In Ernstbrunn bietet das Wolf Science Center (WSC), das im Wildpark Ernstbrunn angesiedelt ist, Begegnungen mit Wölfen an. Neben Führungen gibt es auch spezielle Besucherprogramme wie Wolfsbesuche, bei denen man die Wölfe ohne Zaun in kleinen Gruppen treffen kann, Spaziergänge mit einem Wolf oder Einblicke, wenn mit den Tieren trainiert wird. Mit jener in Ernstbrunn lasse sich die Einrichtung in Deutschland nicht vergleichen, betont Marianne Heberlein, wissenschaftliche Leiterin des WSC.

Wölfe im WSC leben unter anderen Bedingungen

Die Wölfe gehören nicht dem Wildpark Ernstbrunn, sondern dem WSC. Dieses ist eine Einrichtung der Veterinärmedizinischen Universität Wien. „Die Wölfe werden ausschließlich vom Personal der Veterinärmedizinischen Universität Wien betreut und trainiert“, stellt Heberlein klar. Den aktuellen Vorfall in Deutschland könne sie aus der Ferne nicht beurteilen. Sie erklärt aber: „Intensiv sozialisierte Wölfe sind vom Verhalten gegenüber dem Menschen nicht gleichzusetzen mit Wölfen, die in einem Zoo oder Park leben, aber nicht von Menschen aufgezogen wurden.“

Deshalb könnten auch Vorschriften eines anderen Parks nicht beliebig übertragen werden. Heberlein appelliert, dass bei jeder Wolfshaltung individuell auf die Gegebenheiten geachtet werden müsse und die Vorschriften entsprechend darauf basieren sollten.

Sicherheitskonzept für Besucher im Fokus

Sicherheit werde im Wolf Science Center jedenfalls großgeschrieben, sagt die wissenschaftliche Leiterin. Man investiere in eine erstklassige Ausbildung des Personals. So würden die Mitarbeiter erst in direkten Kontakt mit einem Wolf treten, wenn eine sehr starke und qualitativ hochstehende Beziehung aufgebaut wurde. Erst dann dürften sie auch die Verantwortung für Gäste übernehmen.

Außerdem werde den Wölfen beigebracht, nur freiwillig in näheren Kontakt mit Gästen zu treten. Sicherheitsregeln und -maßnahmen würden kontinuierlich angepasst. So würden die Regeln vorschreiben, wie viele Mitarbeitende in Situationen mit einem oder mehreren Wölfen erforderlich seien, damit Gäste dem Tier ohne Zaun begegnen dürfen, veranschaulicht Heberlein. Zusätzlich müssten auch die Verhaltensregeln, die Kleidervorschriften und das Mindestalter von 18 Jahren eingehalten werden.

Regeln werden laufend evaluiert

Trotz aller Maßnahmen könne es vorkommen, dass sich ein Tier im Umfeld von fremden Menschen nicht wohlfühle. Diese Anzeichen würden ernst genommen, und der betreffende Wolf nehme daher an solchen Programmen nicht länger teil. „Diese Möglichkeit der intensiven Überwachung und raschen Anpassung des Sicherheitsstatus ist nur dank der intensiven und sehr aufwändigen Arbeit mit den Tieren möglich“, erklärt Heberlein.

Nach dem Vorfall in Deutschland werde aber auch das Wolf Science Center die Sicherheitsvorschriften erneut evaluieren und im Bedarfsfall anpassen. „Das wird aber ohnehin immer so gehandhabt“, betont sie.

Aber was, wenn Besucher, die eine Begegnung mit einem Wolf gebucht haben, jetzt Bedenken haben? „Sie sollen uns kontaktieren und mit uns über ihre Bedenken sprechen“, appelliert sie. „Vielleicht ist es möglich, im Gespräch ihre Angst oder Unsicherheit zu nehmen.“