Montag, 2. November 2026
Glaube und Leben 29.10.2026 · 12:00

Vom Garten Eden zum Heilwald

Der Abt von Stift Göttweig über die Kraft der Natur.

Beim Heilwald Kongress in Krems durfte ich kürzlich eine Keynote halten: „Vom Garten Eden zum Heilwald – Spirituelle Wege einer versöhnten Beziehung zur Schöpfung“. Darin versuchte ich einen Bogen von den biblischen Ursprüngen bis zu den heutigen Erkenntnissen über die heilsame Wirkung des Waldes zu spannen.

Die biblische Geschichte vom Garten Eden erzählt von einer Schöpfung, die dem Menschen anvertraut ist. Der Heilwald im Wald des Benediktinerstiftes Göttweig macht diesen Gedanken auf besondere Weise erfahrbar. Natur ist nicht bloß Kulisse unseres Lebens. Sie schenkt uns Ruhe, stärkt unsere Gesundheit und lässt uns wieder (neu) spüren, dass wir Teil eines größeren Ganzen sind.

Gerade die Zeit um das Erntedankfest lädt uns ein, genauer hinzuschauen. Wir danken für die Früchte der Erde, für das Wachstum und für alles, was uns nährt. Doch Erntedank erinnert uns auch an den Kreislauf der Schöpfung: Säen und Reifen, Ernten und Ruhen, Vergehen und neues Leben gehören untrennbar zusammen.

Auch im geistlichen Leben ist es so. Nicht alles wächst auf Knopfdruck. Es braucht Geduld, Pflege, Zeiten der Stille und Vertrauen in das, was im Verborgenen reift.

Vielleicht liegt gerade darin die Botschaft vom Garten Eden und Heilwald: Wer sich der Natur achtsam zuwendet, entdeckt nicht nur ihre heilende Kraft, sondern auch Spuren des Schöpfers. Und wer dankbar lebt, lernt, die Erde nicht als Selbstverständlichkeit, sondern als wertvolles Geschenk anzunehmen.