Wir brauchen mehr Zuversicht
Chefredakteur Daniel Lohninger über das, was uns am Nationalfeiertag am meisten gefehlt hat – eine gesunde Portion Optimismus.
Am Montag war Nationalfeiertag – und zum Feiern war den wenigsten zumute. Vielen Landsleuten nicht, weil sie unter Zukunftsängsten leiden. Vielen Politikerinnen und Politikern – abseits der FPÖ – nicht, weil ihr Wort beim Publikum kaum mehr ankommt.
Und ja, tatsächlich gibt es gegenwärtig in Österreich nicht viel, das man feiern könnte. Zu groß sind die Ängste vor dem (eigenen) Wohlstandsverlust und die Sorgen um die Zukunft des Landes. Bei all den Sorgen und Ängsten, die teils berechtigt sein mögen, bleibt eines auf der Strecke: Die Zuversicht, dass wir – wie in der Vergangenheit auch – die richtigen Antworten auf die Herausforderungen der Gegenwart haben. Die kreativen Menschen, die mit ihren Ideen und Innovationen dabei helfen, das hohe Lohn- und Kostenniveau zu rechtfertigen, das wir in Österreich haben. Die leistungsbereiten und engagierten Menschen, die daran arbeiten, dass Österreich bei der Produktivität international wettbewerbsfähig bleibt. Die mutigen Menschen, die neue Wege beschreiten und damit dafür sorgen, dass Österreich nicht zur verlängerten Werkbank von China und Co. wird.
Diese Menschen gibt es alle in Österreich – manche von ihnen sind sogar als Zuwanderer gekommen, was im politischen Diskurs nur allzu gerne vergessen wird. Es sind jene Menschen, die unser Land nach vorne bringen wollen. Anders als in den Zeiten, in denen unsere Großeltern und Ur-Großeltern dieses Land aufgebaut haben, sind sie heute aber mit einer Kultur konfrontiert, die genau weiß, gegen was sie ist. Gegen Zuwanderung, die wir brauchen. Gegen neue Steuern, zumindest, wenn sie einen selbst betreffen. Gegen ein höheres Pensionsantrittsalter, auch wenn es notwendig ist. Gegen Veränderung im Allgemeinen.
Die Politik hechelt dieser „Gegen-eh-alles“-Mentalität oft nach statt mit gutem Vorbild voranzugehen und zu sagen, wofür sie ist. Die Antworten auf die Frage „Wofür stehen wir?“ werden aber letztlich darüber entscheiden, ob unsere Kinder und Enkelkinder den gleichen Wohlstand erleben werden wie wir. Wer aber nicht weiß, wofür sie oder er steht, wird im globalen Wettbewerb nicht mithalten können. Denn Wohlstand entsteht nicht aus Angst vor der Zukunft, sondern aus dem Mut, sie zu gestalten.