Montag, 2. November 2026
Plus Barockmaler/Stift Zwettl 30.10.2026 · 06:00

Paul Troger schuf im 18. Jahrhundert Meisterwerke im Waldviertel

Autor Andreas Gamerith im „Trogerhimmel“: Troger malte 1737 für die Spitalkirche in Röhrenbach drei kleine Fresken im Auftrag des Grafen Kuefstein. Die farbenfrohen Deckenbilder haben ohne größere Restaurierungsarbeiten die Zeiten überdauert. Foto: Stiftsarchiv Zwettl

Vor 328 Jahren wurde im Südtiroler Pustertal der Maler Paul Troger geboren: Mit seinen Fresken und Ölbildern, Meisterwerken des Barocks, prägte er die Kulturlandschaft des Waldviertels.

Es war dem Mesnersohn aus dem Südtiroler Bergdorf Welsberg (das damals noch Zell hieß) nicht in die Wiege gelegt worden, im Laufe seines Lebens zu einem der gefragtesten Spezialisten auf dem Gebiet der Wandmalerei zu avancieren. Nur durch Unterstützung adeliger Förderer – und möglicherweise gegen den Willen seines Vaters – konnte das Talent des jungen Paul Troger gefördert werden.

Ein kostspieliges Stipendium, finanziert vom Gurker Bischof Maximilian von Thun, erlaubte ihm sogar eine mehrjährige Studienreise nach Italien, in den 1720er Jahren die unverzichtbare Basis für eine spätere Künstlerkarriere.

Ein Waldviertler Maler

Mit dreißig Jahren übersiedelte Troger nach Wien, wo die Prälaten Niederösterreichs auf ihn aufmerksam wurden. Spezialisten für monumentale Fresken waren zu dieser Zeit rar gesät, die Kosten für italienische Virtuosen auf dem Gebiet überstiegen die finanziellen Möglichkeiten der baufreudigen Prälaten.

In kurzer Zeit mehrten sich die Aufträge für den Neuankömmling, und auch die Dimensionen der zu gestaltenden Flächen steigerten sich. Hatte Troger 1729 mit der winzigen Kuppel in der Institutskirche der Englischen Fräulein in St. Pölten einen ersten Beweis seiner Fähigkeiten – wenn auch in kleinem Rahmen! – geben können, wurde er schon im Folgejahr mit der Freskenausstattung der Stiftskirche von St. Andrä an der Traisen beauftragt.

Im Vertrag zum Refektoriumsfresko im mährischen Kloster Hradisch bei Olmütz im April 1731 wird Troger bereits ehrfurchtsvoll als kunsterfahrener Maler betitelt, mit seinen Fresken für Melk, noch im selben Jahr begonnen, war der Durchbruch geschafft. Von dort wurde Troger im September 1732 nach Zwettl empfohlen, die Fresken der Stiftsbibliothek setzten den Beginn einer Verbindung zwischen den Zisterziensern und Troger, die bis zum Ende seiner Laufbahn anhalten sollte. Aus dem Tiroler wurde ein Waldviertler Maler.

Disziplin und Fleiß

Überblickt man das Schaffen des Barockmalers Troger, erstaunt nicht zuletzt die unerhörte Fülle an erhaltenen Werken. Riesige Flächen verstand der Künstler in kurzer Zeit zu gestalten, der phänomenale Erhaltungszustand vieler seiner Fresken (die bis heute wie gerade fertiggestellt wirken) verblüfft nicht nur die vielen Gäste, die Trogers Fresken alljährlich in Zwettl, Geras oder Altenburg bestaunen.

Dabei ist es gerade eine emotionale Tiefe, die seine Malereien von den mitunter ebenso opulenten wie oberflächlichen Bildwerken seiner Zeitgenossen unterscheidet. Gerade biblische Themen boten dem Künstler dabei ungeahnte Entfaltungsmöglichkeiten – seien sie expressiv wie in der Apokalypse der Altenburger Stiftskirche, seien sie visionär-entrückt wie in den Freskenminiaturen der Spitalkirche Röhrenbach, wo Troger sich dem „Jüngsten Gericht“ widmete.

Besonders bemerkenswert scheint, dass sich seine Kunst nicht nur an ein elitäres Publikum richtete. Trogers Kunstwerke bildeten den prächtigen Rahmen für den kirchlichen Festalltag einfacher Menschen.