Peter Meissner begeisterte mit „Schaurig schön - schön schaurig“
Mit einem Mix aus Moritaten, Legenden und düsteren Geschichten zog Peter Meissner sein Publikum im ausverkauften Theater am Steg in den Bann. Begleitet von Leopold Fuhrmann sorgte der Abend für Gänsehaut und bot einen faszinierenden Einblick in die Welt der Bänkellieder und Erzählkunst.
Moritaten und Bänkellieder sind historische, erzählende Gesänge, die von schaurigen Verbrechen, Unglücken und dramatischen Schicksalen berichten. Der Bänkelsang ist eine Form der Straßenkunst, die vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert weit verbreitet war. Die Sänger standen auf einer kleinen Bank (daher der Name „Bänkelsänger“), um von der Menge besser gesehen zu werden. Sie trugen die Lieder oft leiernd oder singend vor.
Eine Moritat ist eine spezielle, besonders düstere Unterart des Bänkelliedes. Das Wort leitet sich vermutlich von Mordtat oder von der lateinischen Moralität (Mores – Sitten) ab. Im Mittelpunkt stehen fast immer schreckliche Verbrechen, Morde, blutige Dramen oder tiefe menschliche Tragödien. Am Ende folgt eine moralische Warnung oder Lehre für die Zuhörer, um nicht auf den Pfad des Verbrechens zu geraten.
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Berühmte Geschichten
Berühmt ist etwa die Geschichte von Sabinchen („Sabinchen war ein Frauenzimmer“) oder die Moritat von Mackie Messer: An ‘nem schönen blauen Sonntag liegt ein toter Mann am Strand, auch bleibt Herr Meier verschwunden und Fräulein Towler fand man mit ‘nem Messer in der Brust. Wo ist Mackie Messer? Nichts gesehen, nichts gehört, von nichts gewusst?Und was geschah im Hause Apfelböck? Wer erschlug Vater und Mutter im milden Lichte? „Apfelböck oder Die Lilie auf dem Feld“ ist eine der bekanntesten modernen Moritaten von Bertolt Brecht. Das Gedicht entstand 1919 (veröffentlicht 1927 in der Hauspostille) und greift einen realen Kriminalfall auf, der sich kurz zuvor in München ereignet hatte. Im Jahr 1919 erschoss der 16-jährige Josef Apfelböck in der elterlichen Wohnung im Münchner Stadtteil Haidhausen seine beiden Eltern.
Er versteckte die Leichen in der Wohnung und lebte danach noch drei Wochen lang ungerührt im selben Haus, während er das Geld der Eltern ausgab und Nachbarn gegenüber vorgab, sie seien verreist.
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Der Struwwelpeter
Aus dem Werk des Frankfurter Arztes und Psychiaters Heinrich Hoffmann aus dem Jahre 1844 „Der Struwwelpeter“ wurden „Paulinchen“, der „Suppenkaspar“ und „Der fliegende Robert“ gekonnt vorgetragen. Ebenso Der Räuber Petrolino, die zentrale Figur aus der bekannten parodistischen Moritat „Tief im Urwald Brasiliano“(auch bekannt als Kleine Banditenballade). Der humorvolle Text stammt aus der Feder des deutschen Dichters und Malers Fritz Graßhoff, vertont wurde das Stück von Wolfgang Schulz.Das Lied parodiert auf geniale Weise die klassischen, dramatischen Bänkellieder und Moritaten des 19. Jahrhunderts, indem es ein völlig übersteigertes, klischeehaftes Wildwest- und Dschungel-Szenario entwirft. Bekannt wurde das Stück unter anderem durch Interpretationen von Reinhard Mey (der es bereits 1964 live spielte) sowie dem Duo Schobert & Black.
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