Montag, 2. November 2026
ÖGK-Servicestellen 30.10.2026 · 15:00

Keine Krankenkasse mehr vor Ort? Bangen um vier ÖGK-Standorte in NÖ

Die ÖGK hat aktuell 24 Servicestellen in Niederösterreich. Über die Zukunft von vier Standorten wird zurzeit diskutiert. Foto: APA/Jakob Langwieser

In Waidhofen an der Thaya wurde gegen die mögliche Schließung der ÖGK-Servicestelle demonstriert. Auf einer internen Liste standen auch drei weitere Standorte in Niederösterreich als Schließungskandidaten. Wie es um die betroffenen Servicestellen tatsächlich steht und wann Klarheit herrschen könnte, hat die NÖN recherchiert.

Fragen zum Krankenstand, zur Rezeptgebührenbefreiung oder zum Kinderbetreuungsgeld: Für viele Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher sind die 24 Servicestellen der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) die erste Anlaufstelle bei Fragen rund um ihre Versicherung und ÖGK-Leistungen. Umso größer ist die Verunsicherung in Teilen der Bevölkerung, seit bekannt wurde, dass österreichweit zahlreiche Standorte vor dem Aus stehen könnten.

In Waidhofen an der Thaya entlud sich diese Sorge am Donnerstag in einer Demonstration. „Hände weg von unserer Krankenkasse“, stand auf den Plakaten der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. „Wir zahlen dieselben Krankenkassenbeiträge wie Menschen in einer Großstadt und haben daher ein Recht darauf, unsere Servicestelle zu behalten“, betonte Andreas Hitz, Bezirksvorsitzender der roten FSG und Organisator der Kundgebung.

Vor der ÖGK-Servicestelle Waidhofen/Thaya wurde am Donnerstag gegen die im Raum stehende Schließung des Standortes demonstriert. Foto: Michael Schwab

Vier NÖ-Servicestellen standen auf der Schließungsliste

Auslöser der Diskussion ist eine interne Information der ÖGK, die bereits im Sommer öffentlich wurde. Demnach soll die Zahl der ÖGK-Servicestellen österreichweit von 138 auf 77 reduziert werden. Auf einer internen Liste möglicher Schließungskandidaten sollen sich laut Thomas Woisetschläger, Betriebsratsvorsitzender der ÖGK Niederösterreich, auch vier niederösterreichische Standorte befunden haben: Waidhofen an der Thaya, Stockerau im Bezirk Korneuburg, Mödling und Klosterneuburg.

Ob diese Servicestellen tatsächlich geschlossen werden, ist derzeit allerdings offen. Nachdem die Liste öffentlich wurde, habe sich der Betriebsrat „in eine Arbeitsgruppe zu diesem Thema hineinreklamiert“, berichtet Woisetschläger. Seither werde regelmäßig darüber beraten, wie das Kundenservice der ÖGK in Zukunft aussehen soll. Dabei spiele auch die stärkere Nutzung digitaler Angebote eine Rolle, erklärt Woisetschläger.

Betriebsratsvorsitzender zeigt sich vorsichtig optimistisch

Aus heutiger Sicht dürfte vorerst vor allem die Schließung sogenannter ÖGK-Sprechstellen zur Diskussion stehen, erklärt der Betriebsratsvorsitzende. Dabei handelt es sich um kleinere, nur zeitweise besetzte Anlaufstellen mit eingeschränktem Leistungsangebot. Solche Sprechstellen gibt es in mehreren anderen Bundesländern, in Niederösterreich jedoch nicht.

Was die regulären Servicestellen betrifft, zeigt sich Woisetschläger vorsichtig optimistisch. Er sei „guter Dinge, dass wir die eine oder andere erhalten können“, sagt er. Eine konkrete Richtung, wie es mit dem Standortnetz weitergeht, erwartet er bis Ende des Jahres.

ÖGK: „Kontinuierliche Weiterentwicklung des Kundenservices“

Auch die ÖGK selbst verweist auf laufende Gespräche. Man arbeite kontinuierlich an der Weiterentwicklung des Kundenservices, konkrete Standortentscheidungen stünden derzeit nicht im Mittelpunkt, teilt die Kasse auf NÖN-Nachfrage mit. Im Fokus stehe vor allem der Ausbau digitaler Angebote, deren Nachfrage in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen sei. „Der persönliche Kundenservice bleibt jedenfalls ein wesentlicher Bestandteil unseres Leistungsangebots“, betont ein Sprecher.

Gewerkschafter blickt mit Sorge auf den 27. Jänner

Für den Waidhofner Gewerkschafter Hitz sind solche Aussagen jedoch noch keine Entwarnung. Mit Sorge blickt er auf die nächste Sitzung des ÖGK-Verwaltungsrats am 27. Jänner. „Meine Befürchtung ist, dass die Schließung der Servicestellen dort einfach beschlossen wird“, sagt der Waldviertler. Danach werde es deutlich schwieriger, auf die Entscheidung noch Einfluss zu nehmen.

Sollte es tatsächlich zu Schließungen kommen, sieht Woisetschläger jedenfalls die ÖGK in der Pflicht. Für die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müsse es dann einen Sozialplan geben und die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssten in anderen Servicestellen einen Job bekommen.