Herbstrallye: Baumschlager triumphiert in packendem Sekundenkrimi
Die 29. Herbstrallye rund um Waidhofen und Dobersberg bot Motorsport-Drama bis zur letzten Sonderprüfung. Am Ende setzte sich Routinier Raimund Baumschlager (66) durch. Christoph Zellhofer sicherte sich Platz drei, Gerolf Schuller wurde ARC-Clubmeister.
Rallyesport vom Feinsten, spektakuläre Zweikämpfe und Entscheidungen im Sekundenbereich: Die 29. Herbstrallye im Raum Waidhofen/Thaya und Dobersberg hielt, was sie versprach. Nach nächtlichem Regen warteten am Vormittag anspruchsvolle Streckenbedingungen auf die Teilnehmer. Am Nachmittag setzte sich die Sonne durch – und mit ihr stieg die Spannung auf den Sonderprüfungen bis zum dramatischen Finale.
Den Gesamtsieg holte sich Raimund Baumschlager. Der 14-fache österreichische Rallye-Staatsmeister setzte sich gemeinsam mit seinem Beifahrer Thomas Zeltner im Skoda Fabia RS Rally2 gegen die starke Konkurrenz durch. Der mittlerweile 66-jährige Oberösterreicher bewies dabei eindrucksvoll, dass er auch nach vielen Jahren im Spitzenrallyesport nichts von seinem Können eingebüßt hat. Sein letzter Gesamtsieg lag mit der Waldviertel Rallye 2017 bereits beinahe ein Jahrzehnt zurück.
Entscheidung fiel auf den letzten Kilometern
Zu Beginn machte Daniel Mayer, Sohn des Rallye-Urgesteins Walter Mayer, auf sich aufmerksam. Gemeinsam mit Copilot Jürgen Klinger im Citroën C3 Rally2 sicherte er sich die erste Bestzeit. Baumschlager konterte auf der zweiten Sonderprüfung mit einem deutlichen Vorsprung und ging schließlich mit 9,2 Sekunden Polster auf den Tschechen Jan Cerny in die Mittagspause.
Am Nachmittag entwickelte sich zwischen Baumschlager und Cerny ein packender Zweikampf. Der 36-jährige tschechische Rallyepilot, der nach einem Jahr Pause wieder im Skoda Fabia R5 antrat, fuhr drei Bestzeiten und verkürzte den Rückstand auf lediglich 2,5 Sekunden.
Damit wurde die letzte Sonderprüfung zum entscheidenden Showdown. Baumschlager und Zeltner behielten die Nerven und legten noch einmal eine Bestzeit hin. Mit vier Sekunden Vorsprung sicherten sie sich schließlich den Gesamtsieg.
„Es war ein harter Fight mit Jan Cerny. Auf der vorletzten Prüfung hat er noch einmal richtig ausgeteilt, aber zum Glück ist es sich ausgegangen. Ich hätte mir nicht gedacht, dass ich in meinem Alter noch einmal eine Rallye gewinnen darf“, zeigte sich Baumschlager im Ziel sichtlich bewegt.
Cerny gratulierte dem Sieger fair. Ein verpasster Abzweig mit anschließendem Dreher auf der Schlussprüfung kostete den Tschechen letztlich die Chance auf den Sieg.
Christoph Zellhofer erobert das Podium
Auch im Kampf um Rang drei blieb es bis zum Schluss spannend. Daniel Mayer lag lange auf Podiumskurs, musste sich jedoch auf der vorletzten Sonderprüfung Christoph Zellhofer geschlagen geben. Dieser kam gemeinsam mit Copilotin Anna Maria Seidl im Ford Fiesta Rally2 im Laufe des Nachmittags immer besser in Fahrt und sicherte sich verdient den dritten Gesamtrang.
Mayer kämpfte auf der Schlussprüfung noch einmal um eine Aufholjagd, am Ende fehlten ihm allerdings lediglich 1,3 Sekunden auf das Podium. „Letztendlich habe ich auf der vorletzten Prüfung das Podium weggeschmissen – aber so ist es im Rallyesport: Einmal gewinnt man, einmal verliert man“, analysierte er selbstkritisch.
Die Plätze fünf und sechs gingen an die tschechische Mannschaft Jan Talas/Tomas Smid im Citroën C3 Rally2 sowie an Max Zellhofer, der gemeinsam mit Gerald Winter einen Toyota GR Yaris Rally2 pilotierte.
Dramatik gab es auch in der Austrian Rallye Challenge (ARC). Rene Kiehtreiber schien zur Halbzeit bereits auf dem Weg zu seinem dritten ARC-Erfolg in Serie. Mit mehr als einer Minute Vorsprung ging er in den Nachmittag. Ein Problem mit dem Turboschlauch brachte den Mitsubishi-Piloten jedoch in Schwierigkeiten: Auf den Sonderprüfungen fünf und sechs musste er mit reduzierter Leistung fahren und fiel auf Rang drei zurück.
Doch Kiehtreiber gab nicht auf. Mit zwei herausragenden Bestzeiten kämpfte er sich zurück und sicherte sich schließlich mit lediglich 2,9 Sekunden Vorsprung den ARC-Tagessieg.
Gerolf Schuller und Kathrin Redlingshofer-Milev belegten in der ARC-Wertung den zweiten Platz. Für Schuller gab es damit doppelten Grund zur Freude: Er krönte sich zum ARC-Clubmeister 2026. „Mir fällt ein Stein vom Herzen – es war schwer, immer auf die Zielankunft zu achten“, erklärte er erleichtert.
Auch in den weiteren Wertungen gab es starke Leistungen. Riccardo Holzer erreichte Gesamtrang 17 und war damit der schnellste Pilot in der Rally4-Kategorie. Lukas Dirnberger folgte rund 23 Sekunden dahinter und sicherte sich den Jahressieg in der ART2-Wertung für moderne Fahrzeuge mit Zweiradantrieb.