Oliver Maar – der Herr über 150 Garser Drehorgeln
Über 18 Stunden Musik kann Oliver Maar über seine Instrumente anbieten. Sein Repertoire reicht vom Zirkusmarsch bis zur Oper.
Eigentlich hätte Oliver Maar nach dem Willen der Großmutter „Menschen aufschneiden“ und Chirurg werden sollen. Auch eine Lehre zum Zuckerbäcker brach er ab, zu süß, zu starr. Erst als ihm eine Tante zum Schulabschluss eine Drehorgel schenkte, fand der Waldviertler seine wahre Berufung.
In Frankreich lernte er die seltene Kunst des Lochkartenstanzens. Heute bespielt der „Werkelmann“ die Welt: von Hochzeiten im Kamptal über den Wiener Musikverein bis hin zu Festivals in China. Sein Repertoire: Stramme 18 Stunden Musik, vom Zirkusmarsch über das Wienerlied bis zur Oper.
Dass der Ansturm auf sein Reich im oberen Stockwerk im Kaufhaus Kiennast gewaltig ist, überrascht kaum. Margit Pichler vom Bildungs- und Heimatwerk Rosenburg-Mold musste bereits zum zweiten Mal eine Führung organisieren, um die Neugier der Besucher zu stillen.
Vom klassischen Leierkasten bis zu Raritäten
Was die Gäste dort vorfinden, sprengt den Rahmen eines gewöhnlichen Museums. Im sogenannten „Wunderwerkel“ lagern über 150 Drehorgeln aus drei Jahrhunderten. Neben klassischen Leierkästen faszinieren mechanische Raritäten: Tischdrehorgeln mit Lochblechscheiben, Spielzeug-Dampfmaschinen, Papiertheater und Instrumente, die wie von Geisterhand ertönen. Eine Klaviermechanik bewegt sich per Pedaltritt von selbst, Akkordzithern und Ziehharmoniken werden über Papierstreifen und Kurbeln angetrieben. Powered by Dampf, Federwerk oder Uhrwerksgewichten.
„Wir sind kein totes Museum, sondern ein lebendiges Depot“, betont Kuratorin Katharina Pecher. Fast alle Exponate sind betriebsbereit. Die Pläne für die Zukunft klingen ebenso schwungvoll: Geplant sind Vorführungen, eine „Lange Nacht der Schellacks“ und sogar ein Tanzball zu Drehorgelklängen.
Das Wunderwerkel hat schlichtweg alles, nur keine festen Öffnungszeiten. Wer die Magie der Musikautomaten hautnah erleben möchte, greift nicht zur Eintrittskarte, sondern zum Telefon. Ein Anruf beim Werkelmann persönlich genügt, um das historische Klangfenster aufzustoßen. Das Publikum zeigte sich begeistert: Wo sonst wird Geschichte mit so viel Kurbelkraft lebendig.
2 Bilder – seitlich wischen