Montag, 2. November 2026
Plus St. Egyden 29.09.2026 · 05:00

Entminung nach Föhrenwald-Bränden weiter ungeklärt

Beim zweiten Großbrand mussten über 200 Personen evakuiert werden. Foto: BFKNK

Die verheerenden Föhrenwaldbrände im August dieses Jahres beschäftigen die Gemeinde St. Egyden nach wie vor. Ob oder wie das Gebiet von jenen Kriegsrelikten, die in beiden Fällen den Brand auslösten, befreit werden kann, werde laut Listen-Ortschefin Christa Tisch weiterhin diskutiert.

Meterhohe Flammen, die immer weiter zu Wohnhäusern vorgedrungen sind. Evakuierte Bewohnerinnen und Bewohner, die in Tränen ausbrachen, weil sie nicht mehr wussten, ob sie in ihr Zuhause zurückkehren können. Und Feuerwehrmitglieder, die in letzter Sekunde vor der Flammenwalze fliehen konnten. Es sind Bilder, die vielen Menschen in der Region so schnell nicht mehr aus dem Kopf gehen werden.

Thomas Krenn von der FF St. Egyden-Saubersdorf, Bürgermeisterin Christa Tisch und Bezirksfeuerwehrkommandant Mario Lukas nach dem ersten Brand. Foto: Christian Feigl

So auch Christa Tisch nicht. Die Listen-Bürgermeisterin („Gemeinsam für St. Egyden“) beschäftigt sich knapp eineinhalb Monate nach dem Unglück vor allem mit einer Frage: Kann das Gebiet entmint werden? Und wenn ja, wie? Beide Brände wurden nämlich durch alte Kriegsrelikte, die Phosphor freisetzten, ausgelöst. „Das Problem ist nur, keiner weiß eigentlich wirklich, wie groß die Fläche ist, auf der die Kriegsrelikte verstreut sind“, sagt Tisch.

Experten-Gespräche Mitte Oktober

Obwohl bereits Gespräche, unter anderem mit Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf und verschiedenen Experten, geführt wurden, gibt es noch keine wirkliche Lösung. Für Tisch steht allerdings fest: „Wir müssen uns hier an die Meinung der Experten halten. Und die sind sich auch noch nicht darüber einig, wie weit die Kriegsrelikte eigentlich verstreut sind. Der eine sagt, es sind zehn Hektar, der andere spricht wiederum von 40.“

Was aber bereits jetzt klar ist: Der österreichische Entminungsdienst kann im Föhrenwald nichts ausrichten. Dieser komme laut Tisch nämlich nur zum Einsatz, wenn es um Bomben gehe. „Wir sprechen hier aber von Patronen. Und diese werden von speziellen Firmen entfernt, die von den Eigentümern angefordert und auch selbst bezahlt werden müssen“, erklärt die Ortschefin. Die Gemeinde selbst könne die Kosten einer kompletten Entminung jedenfalls nicht übernehmen, stellt sie klar.

Neuer Löschteich in Neusiedl geplant

Seitens der Gemeinde wolle man aber jede Möglichkeit zum Thema Entminung prüfen. „Mitte Oktober gibt es außerdem ein Gespräch mit der Bezirkshauptmannschaft sowie Entminungsexperten“, verrät Tisch. Bis zum nächsten Sommer könne man aber nicht damit rechnen, dass der Föhrenwald vollständig entmint ist.

Auf diesem Feld, direkt neben der Bahnstraße in Neusiedl, soll ein neuer Löschteich entstehen. Foto: Tanja Barta

Um die Einsätze bei weiteren möglichen Bränden etwas zu erleichtern, plant die Gemeinde einen weiteren Löschteich direkt neben der Bahnstraße nahe der Waldstrandsiedlung, der noch vor dem nächsten Sommer fertiggestellt sein soll. Denn besonders im diesem Bereich machten die Flammen nur dank dem Einsatz der Feuerwehrkräfte vor den Wohnhäusern halt. „Da hier nun der Schatten fehlt, sind Brände in diesem Bereich leider wieder sehr wahrscheinlich“, befürchtet die St. Egydener Ortschefin.

Aus dem Büro des zuständigen Landeshauptfrau-Stellvertreters Stephan Pernkopf heißt es, dass aktuell kurz-, mittel- und längerfristige Maßnahmen in Ausarbeitung seien. So gebe man vor allem der Wasserversorgung hohe Priorität. Man wolle aber auch bei den Pflichten Grundstückseigentümer „nachschärfen“ und an deren Aufgaben erinnern. Gleichzeitig müsse man aber auch klären, was die Gemeinde selbst leisten kann und muss.

Bei den Bränden wurde jedoch nicht nur der Wald beschädigt. Einige Einsatzkräfte wurden verletzt, und auch die Ausrüstung der Floriani hat gelitten, unter anderem jene der vier Feuerwehren aus St. Egyden. „Wir haben deshalb ein Spendenkonto eingerichtet. Dieses Geld geht dann an alle vier Feuerwehren“, sagt Tisch und hofft auf Unterstützung für „ihre“ Silberhelme.

Spendenkonto: U4, IBAN: AT21 3293 7000 0340 8838.