Montag, 2. November 2026
Tennis 29.10.2026 · 08:00

Rodionov-Aus: Statt eines „Zuckerls“ gab es einen sauren Drops

Auweh! Im Erstrundenduell mit Nikoloz Basilashvili konnte Jurij Rodionov nur im ersten Satz mithalten. Am Ende stand erneut ein Erstrunden-Aus. Foto: APA/Georg Hochmuth

Nichts wird es für Jurij Rodionov mit einem Duell gegen den spanischen Superstar Carlos Alcaraz. Zum dritten Mal in vier Versuchen musste er beim Heimturnier in Wien in Runde eins die Segel streichen, auch weil sein Gegner die letzten Wochen heiß lief.

Das Gefühl, ein Held zu sein, kennt der Matzner Jurij Rodionov nur allzu gut. Egal ob im Vorjahr gegen Ungarn oder diesen September gegen Belgien - schon zweimal führte der 27-Jährige Österreich zum Davis Cup „Final 8“. Alleine auf der ATP-Tour will es für den Niederösterreich noch nicht so recht klappen.

Auch am Mittwochabend war bei den Erste Bank Open in der Wiener Stadthalle schon beim Erstrundenauftritt gegen den Georgier Nikolos Bassilaschwili Endstation, in 1:38 Stunden verlor Rodionov mit 6:7 und 1:6. Damit gelang ihm in den letzten Jahren nur einmal - 2020 - der Zweitrunden-Aufstieg bei seinem Heimturnier.

Dabei wäre sein großer Traum ein Duell mit Carlos Alcaraz gewesen, „ein Zuckerl“, wie er im Vorfeld bestätigte. Daraus wurde nichts, in Anlehnung an das kommende Halloween-Wochenende hieß es Saures statt Süßes ...

Ehrliche Selbstkritik: „Boah, ich habe schlecht serviert“

An der mangelnden Unterstützung lag es nicht, mit frenetischem Applaus wurde Rodionov in der ausverkauften Stadthalle begrüßt - und danach wurde fast jeder Punktgewinn lautstark bejubelt, inklusive Jurij-Sprechchören. „Das ist schon einzigartig, schade, dass ich den Fans nicht mehr zeigen konnte“, war Rodionov geknickt.

Allerdings zeichnete sich schon früh ab, dass der Weinviertler bei eigenem Aufschlagspiel kämpfen musste, während Bassilaschwili sein Service zumeist recht problemlos durchbrachte. „Boah, ich habe schlecht serviert, leider hat mich mein Aufschlag im Stich gelassen“, war Rodionov selbstkritisch, der auch von einem unglücklichen Spielverlauf spricht: „Ich hatte im zweiten Satz zwei Breakchancen, die ich nicht genutzt habe - und er schon.“

Ganz generell meinte das in Matzen groß gewordene Tennis-Ass: „Bei diesem Niveau kann ich mir die Fehler nicht erlauben, die ich gemacht habe - ganz besonders gegen einen Gegner, der so gut in Form ist. Der gibt dir keine Tür zurück, sondern macht die Tür zu.“

Ein Gegner in Topform und mit Ballett-Genen

Stichwort Gegner: Körperlich präsentierte sich der Georgier beweglich und spritzig, kein Wunder, wenn man bedenkt, dass sein Vater Nodar Tänzer im georgischen Nationalballett war. Zudem ist Bassilaschwili, in der Vergangenheit schon einmal die Nummer 16 der Welt, in den letzten Wochen immer stärker geworden. So unterlag der 34-Jährige am vergangenen Wochenende dem russischen Weltranglistenfünften Daniil Medvedev im Finale des ATP-Turniers in Almaty erst knapp in drei Sätzen.

Zurück zu Rodionov: Er will sich von diesem Rückschlag nicht klein kriegen lassen und hat ein klares Ziel vor Augen: „Ich will zurück unter die Top-100 und weiß, dass ich das drauf habe. Hoffentlich platzt dann bald auch einmal auf der Tour der Knoten.“ Auch weil die Spitze nicht so weit weg ist: „Man sieht bei mir ganz klar, dass ich das Potenzial habe, weiter oben zu stehen, aber ich schaffe es nicht, dieses Potenzial Woche für Woche auszuschöpfen. Sonst würde ich nicht Spieler wie Zizou Bergs (Weltranglisternplatz 39.), Denis Shapovalov (52.) oder Adrian Mannarino (73.) schlagen. Man sieht ja, dass ich es drauf habe, aber ich muss es jeden Tag von mir fordern und dann auch im Match zeigen.“

Bei Duell mit Superstar heißt es: „Aufgehoben ist nicht aufgeschoben“

In Sachen verpasstem Alcaraz-Duell und seiner Zukunft: In knapp einem Monat wird Rodionov dann wohl tatsächlich auf den spanischen Superstar treffen - und zwar mit dem österreichischen Daviscup-Team beim großen Finalturnier im italienischen Bologna, wo die rot-weiß-rote Auswahl krasser Außenseiter im Viertelfinalduell mit Spanien ist. Davor startet er ab Montag noch beim ATP Challenger in Bratislava.