Qualzucht in Tulln? Kritik, aber keine Anzeigen
Nach der Messe „Du und das Tier“ erhebt die Tierschutzorganisation Vier Pfoten schwere Vorwürfe gegen Aussteller. Nach Angaben der Bezirkshauptmannschaft Tulln mussten die Hunde bereits beim Einlass auf Qualzuchtmerkmale kontrolliert werden. Konkrete Anzeigen liegen bislang nicht vor.
Kein generelles Rassenverbot, aber klare Vorgaben: Das Tierschutzgesetz untersagt die Ausstellung von Tieren mit Qualzuchtsymptomen oder äußerlich erkennbaren Qualzuchtmerkmalen. Wie diese Bestimmungen auszulegen sind, sorgt allerdings immer wieder für Diskussionen. Zuletzt auch in Tulln, wo im Oktober traditionell die „Du und das Tier“ stattfindet.
„Es waren praktisch sämtliche typische Qualzuchtmerkmale bei den Tieren vertreten. Besonders ins Auge gestochen sind die vielen zu kurzen, flachen Schnauzen“, lautet der Vorwurf der Tierschutzorganisation Vier Pfoten. Kampagnenleiterin Veronika Weissenböck konkretisiert: „Was wir zu sehen bekamen, war wirklich verstörend, darunter röchelnde Hunde mit praktisch nicht existenten Schnauzen. Aber wir beobachteten auch extrem kurze und/oder gebogene Beine, fehlende oder zu kurze Ruten, übermäßige Hautfalten sowie unzählige Augenlider, die nicht vollständig schließen können oder sich einrollen.“ Defekte, die Gesundheit und Verhalten der Hunde beeinträchtigen, warnt die Organisation: „Dieser Wahnsinn muss endlich aufhören.“
Schon im Vorfeld der Veranstaltung hatte es von Tierschutzaktivistinnen und Tierschutzaktivisten Bedenken hinsichtlich möglicher Qualzucht gegeben - auch, weil Tulln im Mai Schauplatz der großen Welthundeausstellung ist. Der Veranstalter, der Österreichische Kynologenverband (ÖKV), verwies damals gegenüber der NÖN auf die vorgesehenen Kontrollen beim Einlass.
Bei der zuständigen Bezirkshauptmannschaft Tulln sind zu den Qualzucht-Vorwürfen „bislang keine konkreten Anzeigen“ eingelangt, heißt es auf NÖN-Anfrage. Behördlich vorgeschrieben für die „Du und das Tier“ war, „dass die Ausstellungstiere bereits beim Einlass durch Veterinärmedizinerinnen und Veterinärmediziner auf Qualzuchtsymptome und äußerlich erkennbare Qualzuchtmerkmale kontrolliert werden. In Zweifelsfällen war eine Amtstierärztin bzw. ein Amtstierarzt beizuziehen.“
Vier Pfoten will jedenfalls nicht locker lassen: „Im Mai 2027 findet die noch viel größere World Dog Show in Tulln statt – bis dahin braucht es für Ausstellungen klare, messbare und rechtlich verbindliche Kriterien, anhand derer vor Ort eindeutig festgestellt werden kann, ob ein Hund aufgrund von Qualzuchtmerkmalen nicht ausgestellt werden darf.“