Aus für Ardo-Werk: Supermarktketten suchen alternative Bezugsquellen
Im Zusammenhang mit der geplanten Werksschließung von Ardo in Groß-Enzersdorf in Niederösterreich versuchen die heimischen Supermarktketten nun, alternative Bezugsquellen auszubauen. Spar will kein ausländisches Tiefkühlgemüse des belgischen Unternehmens für seine Eigenmarken verwenden, hieß es auf APA-Anfrage.
Am Mittwoch gab es informelle Gespräche mit dem Betriebsrat, am Freitag soll die nächste Verhandlungsrunde über den Sozialplan stattfinden, sagte ein Ardo-Sprecher.
Laut Schätzungen werden derzeit noch rund 80 Prozent des österreichischen Tiefkühlgemüses im Ardo-Werk im Marchfeld hergestellt. Spar baut nun die Zusammenarbeit mit seinem langjährigen niederösterreichischen Geschäftspartner in Groß-Enzersdorf massiv aus. "Wir konnten mit Schneider's Gemüseland bereits fix vereinbaren, dass sie in Zukunft beinahe alle Spar-Tiefkühl-Gemüseprodukte produzieren werden", sagte Spar-Sprecherin Nicole Berkmann zur APA. Tiefkühlgemüse unter den verschiedenen Spar-Marken werde weiterhin aus Österreich, aus dem Marchfeld, stammen.
Auch Hofer, Lidl und Rewe wollen weiter auf heimische Ware setzenDie Billa-Mutter Rewe will "weiterhin konsequent" auf Tiefkühlgemüse aus Österreich setzen. Man prüfe "laufend neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit alternativen Lieferanten aus Österreich, um auch langfristig eine verlässliche und hochwertige Versorgung sicherzustellen", hieß es von Rewe auf Anfrage.
Der Lebensmitteldiskonter Hofer bezog sein Tiefkühlgemüse für die Biomarke "Zurück zum Ursprung" und Eigenmarken bisher von Ardo. "Sollte österreichisches Tiefkühlgemüse nicht in ausreichendem Umfang verfügbar sein, halten wir uns daher verschiedene Beschaffungsoptionen offen", so Hofer.
Der Diskonter bitte die Kundschaft um Verständnis, "dass man zum jetzigen Zeitpunkt noch keine weiteren Informationen geben kann". Lidl sucht nach dem angekündigten Aus für das Ardo-Werk ebenfalls Tiefkühlgemüse-Alternativen. "Unser Wunsch ist es jedenfalls, weiterhin Qualität aus Österreich auch in diesem Produktsegment anbieten zu können", erklärte Lidl Österreich gegenüber der APA. Man hoffe auf "eine Lösung, auch im Sinne der betroffenen verlässlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Landwirte und Erzeuger".
Iglo führt erste Gespräche mit potenziellen PartnernDas Aus des Ardo-Werks trifft Iglo besonders hart. Die Tiefkühlmarke bezieht seit mehr als 60 Jahren Gemüse aus dem Marchfeld. "Auch in Zukunft bekennen wir uns klar zum Marchfeld und setzen uns dafür ein, die Verarbeitung des regionalen Gemüses so weit wie möglich vor Ort zu sichern", hieß es von Iglo zur APA. Man prüfe verschiedene Möglichkeiten und habe "bereits erste Gespräche mit potenziellen Partnern geführt".
Iglo wies darauf hin, dass die Verfügbarkeit der eigenen Produkte weiterhin gewährleistet sei. Das Gemüse aus dem Marchfeld werde saisonal geerntet, tiefgefroren und gelagert, dadurch sei eine ganzjährige Versorgung möglich. Auch nach der voraussichtlichen Einstellung des Betriebs im Werk Groß-Enzersdorf Mitte 2027 würden Iglo-Produkte "wie gewohnt" im Handel erhältlich sein, betonte der Tiefkühl-Markenproduzent. Iglo Österreich ist Teil der britischen Iglo-Gruppe, die zum internationalen Tiefkühlkonzern Nomad Foods gehört.
Tiefkühlgemüse-Produktion wird mit Jahresende eingestelltDie heurige Ernte soll noch vollständig verarbeitet, verpackt und teilweise bis weit ins nächste Jahr eingelagert werden, bestätigte ein Unternehmenssprecher auf Anfrage einen ORF-Bericht. Der Zeitplan von Ardo sieht vor, dass die Produktion von Tiefkühlgemüse mit Jahresende eingestellt wird, im Frühling die Nudel-Linie. Die Logistik werde dann schrittweise bis zum zweiten Quartal 2027 geschlossen. Im August nächsten Jahres soll das Werk, das beispielsweise für Iglo und die Tiefkühl-Eigenmarken von Billa, Hofer und Spar produziert, endgültig zusperren.
Die geplante Schließung hat auch bereits Auswirkungen auf die Landwirtschaft im Marchfeld. Der Herbstanbau von Winterspinat für die Ernte im Frühjahr wurde nicht durchgeführt. Das Werk des belgischen Unternehmens in Groß-Enzersdorf verfügt über die einzige Anlage österreichweit für Blattgemüse. Damit dürfte heimischer Tiefkühlspinat voraussichtlich maximal bis Oktober 2027 in den Supermarktregalen verfügbar sein. Das Thema bewegt viele Menschen in Österreich. Die Online-Petition "Rettet das Tiefkühlgemüse aus dem Marchfeld!" verzeichnete am Mittwoch bereits mehr als 106.000 Unterstützer.
Gespräche über alternative Lösungen zum Erhalt der österreichischen Tiefkühlgemüse-Produktion waren im Laufen. Aktuell gebe es mehrere ernsthafte Interessenten, die das Geschäftsfeld übernehmen könnten, teilte die für das Ressort Arbeit zuständige Landesrätin Susanne Rosenkranz (FPÖ) auf APA-Anfrage in einer schriftlichen Stellungnahme mit.
"Wie sich die Situation tatsächlich entwickeln wird, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abschätzen. Wir stehen deshalb in engem Austausch mit dem AMS (Arbeitsmarktservice, Anm.), um auf mögliche Entwicklungen frühzeitig vorbereitet zu sein und die betroffenen Arbeitnehmer bestmöglich unterstützen zu können." Die Gewerkschaft hatte nach einem ersten Angebot des Unternehmens für einen Sozialplan Nachbesserungen gefordert. Betroffen von der Schließung sind 190 Beschäftigte. Dazu kommen 50 Leiharbeitskräfte.
Seitens der Katholischen Aktion der Erzdiözese Wien wurde am Mittwoch gefordert, eine Genossenschaftslösung und damit den Erhalt der heimischen Lebensmittelverarbeitung "ernsthaft zu prüfen". "Bäuerliche Familienbetriebe mit ihren Beschäftigten dürfen in dieser Situation nicht allein gelassen werden", sagte Präsident Reinhard Bödenauer in einer Aussendung.